Mantrailing

Was ist Mantrailing
Beim Mantrailing verfolgt das Mensch-Hundeteam die Spur einer bestimmten Person, den sogenannten Trail. In der Ausbildung lernt also der Hund, sich auf den Individualgeruch eines Menschen zu fokussieren. Hierfür wird ein sogenannter „Geruchsartikel» der gesuchten Person benötigt.
Obwohl diese Tätigkeit zwischen Mensch und Hund Teamarbeit ist, soll der Hund in erster Linie den Trail selbständig erarbeiten. Die Aufgabe des Hundeführers ist es, die Zeichen (Kopf, Richtung, Zug, Körperspannung und Geschwindigkeit) seines Hundes richtig zu deuten und bei Unklarheiten zu wissen, wo der Hund die besten Möglichkeiten hat, den Trail wieder aufzunehmen.
 
Das Schöne ist, dass wenn Mantrailing dem Team Freude macht, es für fast jedermann/frau und «jederhund» ist, egal welches Alter oder Rasse. Einschränkungen gibt es, wenn es für den Hund zum Beispiel aufgrund seiner Anatomie (u.a. eine schwere Brachizephalie) nicht machbar wäre.
 
Grundsätzlich ist Mantrailing ein sehr zeitintensives Hobby, dass in der freien Natur ausgeübt wird. Blut, Schweiss und manchmal auch Tränen sind das Motto. Es ist eine Jagd, die Jagd nach einem Menschen und diese kann süchtig machen. Das Team sollte also bereit sein, sich auf diese spannende, faszinierende aber auch sehr anspruchsvolle Arbeit einzulassen.
 
Ehrliches Mantrailing
Bei seriösen Mantrailing-Anbietern geht es nicht darum möglichst spektakuläre und nur durch externe Hilfe (Trainer, Markierungen) lösbare Trails zu legen, sondern dem Ausbildungsstand entsprechend Aufgaben zu stellen, die das Team selbständig lösen kann. Da Mantrailing-Trainer/innen in den letzten Jahren wie Pilze aus dem Boden geschossen sind, ist es für Neulinge nicht immer einfach sich im Trainer-Jungel zurecht zu finden. Hinzu kommt, dass Hunde Meister im Entziffern der menschlichen Körpersprache sind, und sie sehr leicht ans Ziel gelenkt werden können. Für den Laien ist es nicht einfach, den Unterschied zwischen einem Hund, der tatsächlich einen Trail erarbeitet und einem Hund, der über den Trail „geschoben“ wird, zu sehen.
 
Ein ganz wichtiger Punkt ist, dass für jeden Hund einen Trail gelegt werden sollte und nicht der gleiche für alle Teilnehmer/innen (wie leider noch oft üblich). Zum Einen haben die Hunde meistens einen unterschiedlichen Ausbildungsstand, zum anderen können die Hunde nur so lernen, den Individualgeruch zu verfolgen. Wenn ein Hund als Fünfter in der Reihe den gleichen Trail wie die anderen ausarbeiten muss, bleibt nur noch eine „Geruchsautobahn“ übrig und es hat nichts mehr mit dem Verfolgen vom Individualgeruch zu tun.
 
Der/die Mantrailing-Trainer/in
Als Mantrailing-Trainer/in ist es wichtig, sich mit Themen wie z.B Wind, Witterung allgemein, Thermik, produktive Ressourcen (Orte, die den Geruch besonders gut zurückhalten), Ablenkung, Körpersprache des Hundes sowie Alter des Trails auseinanderzusetzen.
Ebenfalls muss ein Trainer über kynologisches Wissen, Lernverhalten der Hunde, hormonelle Prozesse, Körpersprache Kenntnisse haben, um seriös Trainings aufzubauen und zu leiten.
 
Single-Double Blind Trails
In den Trainings sollten die Trails entweder Single Blind (SB, nur der Trainer kennt den Trailverlauf) oder Double Blind (DB, niemand kennt den Trailverlauf) gearbeitet werden. Im Single Blind muss der Trainer besonders auf seine Körpersprache achten, damit er das Team nicht beeinflusst. Doch dieser Einfluss kann nie gänzlich ausgeschlossen werden.
Deshalb ist es wichtig ab einem gewissen Stand des Teams auch Trails im Double Blind-Verfahren zu erarbeiten. Diese Überprüfung gewährleistet, dass das Team in der Lage ist, ohne äusseren Einfluss, sprich ohne Hilfe des Trainers, die gesuchte Person finden kann.
 
Grundsätzlich sollten Prüfungen nur im DB-Verfahren durchgeführt werden. Dank der aktuellen Technologien kann der Trailläufer mittels Handy-Applikation den Trailverlauf per GPS aufzeichnen. Dieser kann dann mit dem des Hundeteams nach der Prüfung verglichen werden.
Wer regelmässig DB-Trails erarbeitet, wird feststellen, dass Mantrailing auch Frust bedeuten kann. Leider kann die Zielperson nicht immer gefunden werden, was schlussendlich einfach der Realität entspricht.
 
Individualgeruch des Menschen
Beim Mantrailing wird nach dem Individualgeruch des Menschen, nach dessen Duftmolekülen gesucht.
Der Mensch verliert ständig Hautschuppen, welche in der Luft gestreut werden und nach einiger Zeit, je nach Witterungsverhältnissen, auf den Boden gelangen und somit eine Duftspur entstehen lassen. Bei den abgestorbenen Zellen findet ein bakterieller Abbauprozess statt.
Leider hält sich weiter das Ammenmärchen fest, dass Hunde auch nach mehreren Wochen und Monaten menschlichen Geruch verfolgen können. Denkt man an die physikalischen und chemischen Prozesse, dann wird klar, dass eine abgestorbene Zelle nicht Ewigkeiten überlebt. Bedenkt man noch dazu wie Witterungsverhältnisse, Thermik und Verleitungen einen älteren Trail (mehrere Tage) beeinflussen können, wird klar, dass die Erfolgschancen mit der Zeit immer geringer werden.
An dieser Stelle soll erwähnt, werden, dass es durchaus Berichte von Hunden gibt, die nach mehreren Tagen erfolgreich waren. Doch solche Funde wurden meistens über den Hochwind gearbeitet und bleiben eine Seltenheit.
 
Tatsache ist: Je frischer der Trail, desto einfacher ist es für den Hund ans Ziel zu kommen. Die Erfolgsquote bei Ernsteinsätzen bestätigt diese Aussage.
 
An dieser Stelle möchten wir jedes Team, das schon länger Mantrailing betreibt, herzlich einladen, sich mal selbst zu testen. Am besten fragt man einen Bekannten, ob er einfach etwas „läuft“. Die Person sollte zB 400-500m (oder auch mehr) irgendwo hinlaufen und einfach nicht sagen, wohin. Man kann den Trail zuerst z.B 15 Minuten, später noch länger liegen lassen. Auch die Umgebung (Wald, Industrie, Stadt) sollte dem Stand des Hundes entsprechend gewählt werden. Anschliessend kann man die GPS-Aufzeichnungen vergleichen.
 
Über diese spannende Tätigkeit können (und wurden) Bücher geschrieben werden. In deutscher Sprache können wir das Buch von Jeff Schettler: «K.9 Trailing: Professionelle Personen suche mit Hund“ wärmstens empfehlen.
 
Ein Text von Corina Rüegger und Alis Dobler